Joannes Lechner – innovativ und dynamisch

2021-09-14 11:17:00 / Pflanzer im Fokus / Kommentare 0
Joannes Lechner – innovativ und dynamisch -

Johannes „Hans” gehört zu den proHops-Pionieren der ersten Stunde. Die Idee, Brauer und Hopfenpflanzer über moderne Kommunikationswege miteinander zu verbinden hat ihm sofort gefallen, denn er schätzt die Nähe zum Kunden bzw. Brauer. Wir kennen Hans und seinen modernen Familienbetrieb seit Jahren und waren dieses Jahr sogar beim Hopfen andrehen in seinen Hopfengärten aktiv beteiligt. Im Norden der Hallertau kultiviert Hans Aromasorten Callista, Hallertauer Tradition, Huell Melon, Mandarina Bavaria, Magnum und Saphir sowie die Hochalphasorte Herkules.

Hans, dein Anbaubetrieb blickt auf jahrhundertelange Erfahrung im Hopfenanbau zurück. Wie bist du da hineingewachsen und wann den Hof als Betriebsleiter übernommen?

Tatsächlich bewirtschaftet die Familie Lechner den Hof seit etwa 350 Jahren, wie durch einen Amtseintrag meines Großvaters in Ausübung seines Bürgermeisteramtes hervorgeht.

Ich war der älteste Sohn von insgesamt 4 Kindern. Damals war es so üblich, dass der älteste Sohn den Hof übernimmt und ich war zudem auch am meisten interessiert und engagiert für diesen Beruf. Schon als 5jähriger Bub bin ich für meine Nachbarn bei der Rübenernte Traktor gefahren statt einen Kindergarten zu besuchen. Da habe ich mir mein erstes Geld verdient. Nach Schule und Berufsausbildung bis zum Landwirtschaftsmeister habe ich 2002 als Betriebsleiter den Hof übernommen.

Ihr seid ja sozusagen ein Mehrgenerationen- Familienbetrieb. Dein Vater arbeitet immer noch fleißig mit und einer deiner Söhne macht gerade eine Ausbildung zum Hopfenpflanzer. Welche Entwicklung hat dein Betrieb durchlebt, seit du Betriebsleiter bist?

Unsere Betriebsgröße ist von 12ha auf inzwischen 27ha Anbaufläche gewachsen. Früher hatten wir außer Hopfen noch Ackerbau und Tierhaltung. Heute betreiben wir einen reinen Hopfenanbaubetrieb. Unsere Ernte- Trocknungs- und Bewässerungstechnik passen wir stetig dem modernen Stand der Technik an – aber alles mit Maß und Ziel. Mir ist dabei wichtig, lieber ein bestehendes System sinnvoll zu ergänzen als durch neue technische Errungenschaften komplett zu ersetzen. Nach dem Motto: „never change a running system“ und gleichzeitig die Vorteile moderner technischer Hilfsmittel nutzen und so „up-to-date“ bleiben.

Über welches Thema im Hopfenanbau könntest Du ohne Vorbereitung einen Vortrag halten und was bewegt dich an dem Thema so sehr?

Zum Thema Bewässerung, da es gerade in unserer Gegend bedingt durch sandige Böden und niedrigen Grundwasserstand immer schon ein wichtiger Teil des Qualitätsmanagements war.

Hier musste immer schon bewässert werden. In meiner Schulzeit erinnere ich mich noch gern an die Zeit, als wir in den Hopfengärten Dämme gebaut haben – Das waren für uns Kinder die tollsten Wasserspielplätze. Gleich nach Übernahme des Betriebes habe ich auf Tröpfchenbewässerung umgestellt und zusammen mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschft (LfL) an einer Versuchsreihe zur Optimierung der Nährstoffzugabe teilgenommen. Früher wurden wir von Kollegen aus der Hallertau mit besseren Böden oft mitleidig gefragt: „müsst ihr schon wieder bewässern?“ Heute in der Zeit des Klimawandels werden wir um unsere bestehenden Bewässerungssysteme oft beneidet.

Wenn die Arbeitsabläufe im Hopfenanbau olympische Disziplin wären, wo hättest du
die größten Chancen auf eine Medaille?

Beim Hopfen andrehen. Da bin ich vom ersten bis zum letzten Tag voll dabei. Das scheint fit zu halten, denn mein Vater ist jetzt 81 und packt dabei auch noch ordentlich zu.

Welche Erfahrung hat dein Berufsleben nachhaltig verändert?

Dass mit den Jahren der Erfahrung eine gewisse wohltuende Gelassenheit eintritt.
In der Ruhe liegt die Kraft.

Du hast kürzlich einen jungen Hopfenpflanzer bei seiner Ausbildung unterstützt. Welchen Rat als Mentor gibst du im mit auf seinen künftigen Berufsweg?

Mach beim Zuschauen keine Fehler! Halte deine Augen offen, beobachte genau und übernimm aus dem Gelernten, was zu dir und deinem Betrieb passt. Verlasse dich nicht auf routinierte Abläufe, denn im Hopfenanbau gibt es viele unkalkulierbare Faktoren.

Welche Hopfensorte aus deinem Anbau kannst du unserem Netzwerk an Brauern besonders empfehlen und warum?

Hier muss ich ganz klar mal wieder eine Lanze für Flavorhops brechen, insbesondere für meinen Callista. Er kommt mit so wenig Stickstoff und Spritzmittel aus, dass er einfach eine rundum klimatolerante, sehr gesunde und ertragreiche Sorte. Außerdem begeistert mich immer wieder sein außerordentlich fruchtiges frisches Aroma. Aber auch der Mandarina hat in diesem Jahr wieder besonders gut abgeschnitten, obwohl es ein typisch deutscher Sommer war und zum letztmöglichen Termin geerntet wurde hatte er beste Laborwerte – das ist bei der Witterung ungewöhnlich gut.

Welches Bier trinkst Du am liebsten und warum?

Für ein wirklich gutes IPA lasse ich sogar das Freibier stehen.

Cheers